„Es ist eine Zeit der kreativen Minderheiten“, sagte Bischof József-Csaba Pál aus Timișoara (Rumänien) im Rahmen einer Begegnung des schweizerischen Netzwerkes von «Miteinander für Europa» im März in Montmirail im Kanton Jura.

Foto: Miteinander für Europa

Beitrag von Miteinander für Europa

Der rumänische katholische Bischof weiß, wovon er spricht: In der europäischen Kulturhauptstadt haben sich die Christen verschiedener Konfessionen nach den Jahrzehnten des Kommunismus im täglichen Austausch miteinander ihrer Werte und Wurzeln besonnen und sie in die zivile Gesellschaft eingebracht. Die Gottesdienste werden oft in vier Sprachen übersetzt, um die Vielfalt der Kulturen anzusprechen und zwischen den leitenden Verantwortlichen ist mit den Jahren ein tiefes Einverständnis gewachsen. Anhand von Beispielen aus seinem Bistum zeigte er auf, dass Hoffnung, Mut für ein Engagement in der Gesellschaft und die Freude am Evangelium heute in kleinen Gruppen entstehen, die einander als Gemeinschaft stärken. «Diese Art von Kirche gefällt mir“, betonte er. Seine Erfahrung hat ihm gezeigt: „Auch in der scheinbaren Aussichtslosigkeit für die Kirche im Kommunismus konnte der Geist uns leiten, bis die Wende kam, die wir nicht erahnt hatten. Und auch aus der scheinbaren Aussichtslosigkeit der heutigen Welt, kann der Geist uns herausleiten, wenn wir als ‚ein Herz und eine Seele‘ auf Ihn hören.“ Während des Kommunismus sei es ihnen vorgekommen, dass das System so stark, so organisiert, so von der Staatsmacht gestützt war, dass es niemals enden würde. „Und trotzdem: unter der Asche begannen wir aufzubauen, bereiteten wir jene Menschen vor, die auch zum Fall des Kommunismus beitrugen, aber vor allem jene, die nach dem Fall arbeiten konnten. Eine solche Zeit der kreativen Minderheiten erleben wir auch jetzt, im heutigen Europa.“ 

Mit einem Emmaus-Weg im Freien, interaktiven Collagen, Musik und Gespräch vertieften die Anwesenden die Thematik. Die Geschichte der Emmaus-Jünger in der Bibel war ein zweiter Themenschwerpunkt. Die Parallelen, die sich zur aktuellen Situation der Christen vor allem in Europa ziehen lassen, haben Mut gemacht. 

Chiara Lubich, die 2008 verstorbene Gründerin der Fokolar-Bewegung, sprach in einer Video-Aufzeichnung von «kleinen, mobilen Kirchen»: „Immer beginnt es im Kleinen, durch das Unscheinbare – Jesus wurde in einem Stall in Bethlehem geboren», sagte sie. Überall, wo zwei oder mehr Menschen verbunden sind, könne Jesus auch heute wieder geboren werden. „Vielleicht wird dieser Jesus inmitten vieler mobiler Kirchen, die in jeden Winkel der Erde gelangen können, einmal die Seele der Welt von morgen sein”, schloss sie.

Die Tagung in Montmirail wurde von der Schweizer Gruppe des europaweiten Netzwerkes  «Miteinander für Europa» organisiert, in dem sich evangelische, katholische, anglikanische, orthodoxe und freikirchliche Christen für ein solidarisches und werteorientiertes Europa engagieren. 

Datum: 24.04.2026
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