Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! … Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“

– Matthäus 10,7f

„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! … Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ (Matthäus 10,7f)

 

Jesus zieht durch Städte und Dörfer. Er lehrt in den Synagogen, verkündet die Botschaft vom Reich Gottes und macht es sichtbar, indem er Kranke heilt, von unreinen Geistern befreit – den Dingen, die uns beherrschen wollen, – und Tote auferweckt.

Im Anblick der Menschenmassen ergreift ihn ein tiefes Mitgefühl. Es zerreißt ihn innerlich, denn er sieht die Not und Hilflosigkeit der Menschen und gleichzeitig seine Unfähigkeit, alle zu erreichen. So ruft er seine Jünger zu sich. Wie um zu sagen: Ich brauche euch! Ihr seid dran. Ich brauche für mein Wirken in der Welt Verbündete.

            „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.

Das also ist der Auftrag. Ich möchte Matthäus zurufen: Wo siehst du denn hier bitte schön Himmelreich? Das Zeitgeschehen spricht doch eine andere Sprache. Damals wie heute. Die Menschheit wird immer mehr von Gewalt und „Ich zuerst“ geprägt, und trotz intensivem Gebet ist der Frieden in vielen Ländern weit weg. Himmelreich sehe ich hier wenig.

Und doch sind es gerade diese Situationen, die Jesus fast ungeduldig von einem anderen Reich predigen lassen: Gottes Reich, das einmal alle Tränen abwischen wird und wo alle in Frieden miteinander leben werden.

Ja gut, denkt man jetzt, das wird sein, wenn Christus wiederkommt – irgendwann, weit weg. Aber Jesus hört nicht auf zu sagen: Dieses Reich hat schon begonnen, es ist jetzt, hier, mitten unter euch! Sehe ich dieses Reich? Nehme ich es wahr? Ich gebe zu, es fordert mich heraus, genauer hinzuschauen.

             „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.“

Vielleicht geht es ja zunächst darum: In mir hat sich etwas verändert durch die Begegnung mit Jesus. Durch ihn ist mir Gott nahegekommen, der so weit weg schien. Da ist ein Grundvertrauen gewachsen und tiefer innerer Friede: Ich weiß, ich bin geliebt, so wie ich bin, mit all meinen Stärken und Macken. Alle Sorgen kann ich dem Vater hinhalten als sein geliebtes Kind. Sein Reich, Gottes Reich, in mir.

Aber auch: Sein Reich unter uns. Wenn ich auf Jesu Handeln schaue, dann heißt Himmelreich doch auch, wie wir miteinander umgehen. Bischof Klaus Hemmerle hat es so ausgedrückt: „der Himmel ist zwischen uns.“

Im Blick auf Jesus ist das Allererste, was wir brauchen diese Sensibilität für den anderen. „Er sah und ihn ergriff tiefes Mitgefühl“ (vgl. Matthäus 9,36). Jesus hat hingeschaut und sich berühren lassen. Im Innersten. Es tat ihm regelrecht weh, zu sehen und zu spüren, was um ihn herum alles verkehrt lief.

So geht es in erster Linie wohl darum: das Leid um uns herum zu sehen und auszuhalten. Mich anrühren zu lassen davon und nicht abzustumpfen von den immer gleichen Kriegsberichten. Es geht mir unter die Haut – und ich halte es Gott hin.

Ich möchte in meiner Umgebung offenbleiben, ansprechbar, immer mal stehen bleiben, hinhören und hinsehen; mich anrühren lassen von den unterschiedlichen Geschichten der Menschen; mich ansprechen lassen von den Leuten auf der Straße; stehenbleiben im Rennen zur U-Bahn – und zu merken, der etwas verwahrloste Mensch mir gegenüber will gar kein Geld, sondern nur eine kurze Wegbeschreibung. Und mit der nächsten U-Bahn komme ich immer noch pünktlich. Da wird Himmelreich sichtbar: in der Art und Weise, wie wir einander begegnen.

             „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“

Jesus schickt seine Jünger und mich los, ohne Vorrat und Absicherung, quasi mit leeren Händen. Im Vertrauen auf ihn habe ich alles, was ich brauche, und kann mich von Gott führen lassen. Weil Christus mich mit seiner Liebe verwandelt hat, kann ich gar nicht anders, als davon weiter zu schenken.

Gott braucht und gebraucht uns, damit wir ihn mit unserem Leben und manchmal auch Sprechen in unsere Welt hineintragen. Jede und jeder auf seine ganz eigene Art. Mit den Fähigkeiten und Gaben, die er uns gegeben hat. Damit wir heilsam wirken in unserer Welt. Chiara Lubich hat es so beschrieben: „… inmitten der Menge Jesu Licht verbreiten und zugleich mit dem Nächsten seine Mühsal, den Hunger, die Schicksalsschläge und die kleinen Freuden teilen.“[1]

Diese Zusage eines neuen Himmels schon jetzt hier auf Erden will ich mir nicht nehmen lassen. Ein bisschen davon blitzt schon auf.

Anke Husberg, Stuttgart

 

 

[1] Chiara Lubich, Alle sollen eins sein, Neue Stadt 1999, S.9

 

 

                © Alle Rechte an der deutschen Übersetzung beim Verlag NEUE STADT, München

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