Maria Voce, die erste Präsidentin der Fokolar-Bewegung nach der Gründerin Chiara Lubich, ist gestern im Alter von 87 Jahren in ihrem Haus in Rocca di Papa (Italien) verstorben. Das teilte Margaret Karram, die derzeitige Präsidentin, gestern Abend allen Mitgliedern der Fokolar-Bewegung weltweit mit.

Foto: Movimento dei Focolari Rom

Beitrag von Stefania Tanesini

In einem Schreiben drückte sie die große Trauer aus, die ihr Weggang ausgelöst hat, und sie sprach von der tiefen schwesterlich-mütterlichen Verbindung, die sie mit Maria Voce gelebt hatte. 

„Als erste Präsidentin der Fokolar-Bewegung nach unserer Gründerin, verstand sie es, mit Intelligenz, Weitsicht und der nötigen Entschlossenheit den schwierigen Übergang unseres Werkes von der Gründung in die Nachgründungsphase zu bewältigen. Es gelang ihr, ihre Treue zum Charisma der Einheit mit dem Mut zu verbinden, sich den vielen Herausforderungen einer weltweit verbreiteten Bewegung zu stellen, die auf so vielen Ebenen des menschlichen, sozialen und institutionellen Lebens wirkt.

Der Name ‚Emmaus‘, den sie von Chiara Lubich als Lebensprogramm erhalten hatte, wurde auch zu einem Programm ihrer Leitungsaufgabe: Gemeinsam auf dem Weg, synodal verbunden und im Vertrauen auf die Gegenwart Gottes mitten unter den Menschen – trotz all der Fragen und Unklarheiten, die auf dem Weg auftauchen können.

Als ich im Jahr 2021 ihre Nachfolge als Präsidentin der Fokolar-Bewegung antrat, hat sie mich begleitet, war mit ihrem Rat voller Weisheit in einer feinen, zurückhaltenden Art präsent.

Neben ihrem fundierten geistlichen, theologischen und juristischen Wissen war sie auch mit tiefer Menschlichkeit und Herzensweite begabt und hatte einen einnehmenden und stets respektvollen Humor. Ihre menschliche und geistliche Größe wurde von den verschiedensten Persönlichkeiten des religiösen und zivilen Lebens geschätzt: Von Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus, von den leitenden Verantwortlichen der verschiedenen Kirchen bis hin zu Vertretern anderer Religionen und Kulturen.“

Jesús Morán, Co-Präsident

Jesús Morán, der die ersten sechs Jahre seines Dienstes als Co-Präsident der Fokolar-Bewegung an der Seite von Maria Voce tätig war, beschreibt, dass mit ihrer Wahl eine neue Etappe für die Fokolar-Bewegung begonnen habe. Er schreibt: 

„Emmaus wird in die Geschichte der Bewegung eingehen, nicht nur als erste Präsidentin der Phase nach Chiara Lubich, sondern auch als diejenige, die den ersten Schritt in Richtung einer organisatorischen Erneuerung in der Nachgründungszeit gemacht hat, ganz in kreativer Treue zum Charisma. In ihrer ersten Amtszeit, als Chiaras Abwesenheit spürbar war und zu Entmutigung hätte führen können, reiste sie durch die Welt, um die Mitglieder und Freunde der Fokolar-Gemeinschaften in ihrem Einsatz für eine geschwisterliche und solidarischere Welt zu bestärken – entsprechend dem Charisma der Gründerin. In ihrer zweiten Amtszeit begann sie, die Bewegung auf die Phase der unvermeidlichen „Krise“ vorzubereiten, die sich am Horizont abzeichnete und die Papst Franziskus als eine große Chance bezeichnete. 

Die große Wertschätzung, die der argentinische Papst ihr entgegenbrachte, und die er bei jeder Gelegenheit hervorhob, zeigt eine weitere Eigenschaft von ihr: Ihre Verbindung zur Kirche.

Ich habe bei Emmaus immer ihre Nüchternheit, ihre innere Freiheit, ihre Entschlossenheit und ihr Urteilsvermögen bewundert, wobei ihr eine juristische Ausbildung zugute kam, die sie verinnerlicht hatte“.

Die Beerdigung findet am kommenden Montag, dem 23. Juni 2025, um 15 Uhr im Internationalen Fokolar-Zentrum in Rocca di Papa (Rom) statt.

Datum: 02.04.2026
Kategorie: Weltweit

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