„Nähe“ ist der inhaltliche Schwerpunkt für die Fokolar-Bewegung im kommenden Jahr. Präsidentin Margaret Karram erläutert, was ihr dabei besonders wichtig ist.

Margaret Karram. Foto: Javier Garcia / CSC Audiovisivi
Margaret Karram. Foto: Javier Garcia / CSC Audiovisivi

Nähe empfindet die in Haifa geborene katholische Araberin Karram als eine Art Heilmittel in einer Zeit, die von Gewalt und Gleichgültigkeit geprägt sei. Dabei sei Nähe nicht gleichbedeutend mit Vertrautheit, mit Ähnlichkeit oder mit Zugehörigkeit zum selben Kulturkreis. So wie Gott jedem Menschen seine Nähe schenke, sollte auch unsere Aufnahme allen Menschen gelten.

Damit Nähe Früchte tragen kann, sollten wir keine Angst haben. „Das kann bedeuten, sich in Frage stellen zu lassen, sich Anfragen auszusetzen, auf die man keine Antworten hat; bereit zu sein, sich verletzlich zu zeigen; sich vielleicht als schwach und unfähig zu präsentieren“, so Margaret Karram, die seit 2021 Präsidentin der Fokolar-Bewegung ist. Die Wirkung einer solchen Haltung könne überraschend sein. Karram: „Stellen Sie sich vor: Ein neunjähriger Junge schrieb mir, dass Nähe für ihn bedeutet, ‚das Herz des anderen zu erheben‘. Ist das nicht eine wunderbare Wirkung von Nähe? Das Herz des anderen erheben.“

Das Maß der Nähe aber bestimme das Gegenüber: „Wir können nie sicher sein, dass das, was ich unter Nähe und Solidarität verstehe, für die oder den anderen genauso gilt. In einer Beziehung darf es nie an Respekt für die Freiheit und das Gewissen des anderen fehlen. … Deshalb ist es wichtig, dass wir, wenn wir uns einem Menschen nähern, dies immer behutsam und nicht aufdringlich tun.“ Karram erkennt an, dass dies in der Geschichte der Fokolar-Bewegung nicht immer der Fall war: „Wir hatten nicht genug Feingefühl und Respekt für das Gewissen des anderen, für seine Freiheit, für sein Zeitempfinden. Das hat zu Bevormundung und sogar Missbrauch geführt.“

Margaret Karram. Foto: Javier Garcia / CSC Audiovisivi
Margaret Karram. Foto: Javier Garcia / CSC Audiovisivi

Am Schluss des Interviews zitiert Margaret Karram einen Text von Chiara Lubich, der Gründerin der Fokolar-Bewegung. Er beschreibe gut, was gelebte Nähe bedeuten kann: 

„Es gibt Menschen, die etwas aus Liebe tun. Andere versuchen, in ihrem Tun Liebe zu sein. … Die Liebe stellt uns in Gott, und Gott ist Liebe. Die Liebe Gottes ist Licht, und in diesem Licht erkennen wir, ob wir einer Schwester, einem Bruder so beistehen, wie Gott es will, wie sie es wünschten und erträumten, wenn sie nicht uns an ihrer Seite hätten, sondern Jesus.“ (aus: Chiara Lubich, Alle sollen eins sein, Neue Stadt 1999, S. 34)

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Datum: 19.05.2026
Kategorie: Weltweit, Zur Reflektion

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