Vor seiner Generalaudienz am 10. Januar 2024 empfing Papst Franziskus die marxistisch-christliche Dialoggruppe „DIALOP“ im Vatikan.

Der Petersplatz in Rom. Foto: AdobeStock_212419954 Mistervlad
Der Petersplatz in Rom. Foto: AdobeStock_212419954 Mistervlad

ein Beitrag von Stefanie Stahlhofen

Vor seiner Generalaudienz am Mittwoch, 10. Januar 2024, empfing Papst Franziskus die marxistisch-christliche Dialoggruppe „DIALOP“ im Vatikan. In seiner Rede ermutigte er die Gruppe, auch angesichts von Kriegen und Polarisierungen nicht aufzugeben, von einer besseren Welt zu träumen und sich aktiv für eine solche einzusetzen.

„Gebt nicht auf, hört nicht auf, von einer besseren Welt zu träumen. In der Tat ist die Vorstellungskraft die Kraft, die Intelligenz, Intuition, Erfahrung und historische Erfahrungen vereint, um Neues zu schaffen, etwas zu wagen und zu riskieren. Wie oft waren im Lauf der Zeit gerade die großen Träume von Freiheit und Gleichheit, Würde und Brüderlichkeit ein Spiegelbild des göttlichen Traums, die zu Wandel und Fortschritt geführt haben“, ermutigte Papst Franziskus seine Gäste. Darunter waren Angehörige der katholischen Fokolar-Bewegung und der Partei der Europäischen Linken.

Die Dialogplattform „DIALOP“ entstand vor zehn Jahren nach einer Privataudienz von Papst Franziskus mit dem ehemaligen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, dem damaligen Leiter des Bildungsnetzwerks „transform!Europe“ Walter Baier sowie Franz Kronreif von der Fokolar-Bewegung.

„Ich möchte euch drei Dinge für eure Arbeit mitgeben:

  • Den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen,
  • Aufmerksamkeit für alle Schwachen und
  • Förderung der Gesetzmäßigkeit. (…)

Lasst uns in Zeiten, die von vielfältigen Konflikten und Spaltungen gezeichnet sind, nicht aus dem Blick verlieren, was man noch für einen Kurswechsel tun kann. Lasst uns, entgegen harter Ansätze, die spalten, mit einem offenen Herzen Austausch und Zuhören pflegen, ohne irgendwen auszuschließen –  sei es auf politischer, auf gesellschaftlicher wie auch religiöser Ebene. Der Beitrag jedes einzelnen möge so, in seiner jeweiligen Eigenart, positiv aufgenommen werden für die Prozesse des Wandels, von denen unsere Zukunft abhängt“, rief Papst Franziskus auf.

Warnung vor Diktaturen

Mit deutlichen Worten warnte Papst Franziskus vor Rassismus und Ausgrenzung: „Vergessen wir nicht, dass die großen Diktaturen – denken wir etwa an den Nationalsozialismus – die Schwächsten aussortierten, sie brachten sie um, sie sortierten sie aus (….)  : Arme, Arbeitslose, Obdachlose, Migranten, Ausgenutzte und alle sonst, die eine ,Wegwerfkultur` als Ausschuss deklariert. Das ist eine der schlimmsten Sachen. Eine Politik, die wirklich im Dienst der Menschen steht, kann sich nicht die Regeln von der Finanzwelt und den Mechanismen der Märkte diktieren lassen“, betonte der Papst. Er warb in diesem Zusammenhang eindringlich für Solidarität, Gerechtigkeit und eine „Reinigung“ der Systeme, sowie Wandel hin zu einer Güterteilung unter allen Völkern und einem gemeinsamen Angehen von Herausforderungen.

Eine Politik, die wirklich im Dienst der Menschen steht, kann sich nicht die Regeln von der Finanzwelt und den Mechanismen der Märkte diktieren lassen!

Korruption, Machtstreben und illegalen Vorgehensweisen erteilte das katholische Kirchenoberhaupt eine Absage: „Nur in Aufrichtigkeit lassen sich gesunde Beziehungen aufbauen, ist vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich und es lässt sich gemeinsam und erfolgreich am Aufbau einer besseren Zukunft arbeiten“, erklärte Franziskus.

„DIALOP“ setzt sich laut eigener Aussage für „den Dialog zwischen Menschen guten Willens, mit weltlichem und religiösem Hintergrund, insbesondere zwischen Sozialisten/Marxisten und Christen“ ein. In Zusammenarbeit mit Universitäten und weiteren Bildungseinrichtungen gehe es auch darum, eine Sozialethik zu entwickeln und umzusetzen, welche „die Grundsätze der Marxschen Sozialkritik und der Soziallehre der Kirche anwendet“.
Von den insgesamt 15 Teilnehmern der Audienz kamen sieben aus der politischen Linken und acht aus der katholischen Kirche. Mit dabei waren auch Dialop-Obfrau Luisa Sello von der Fokolar-Bewegung in Wien sowie ihre in Berlin lebende Stellvertreterin Cornelia Hildebrandt, die zugleich Co-Präsidentin von „transform!europe“ ist, und der Vorsitzende der „Europäischen Linken“, Walter Baier.


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