Wie alles begann…
Im Mittelpunkt der Fokolar-Bewegung steht von Anfang an das Evangelium: Chiara Lubich und ihre Freundinnen nehmen es mit in den Luftschutzkeller, wenn im Zweiten Weltkrieg wieder einmal die Bomber über Trient fliegen.
Aus Lesen wird Leben
Beim Lesen des Neuen Testaments stoßen die jungen Frauen auf verschiedene Textstellen, die unmittelbar mit ihrem täglichen Leben zu tun haben. Nach und nach beginnen sie, das Evangelium konkret in Leben umzusetzen.
Und die Strukturen?
Erst viele Jahre später entwickeln sich die heutigen Strukturen der Fokolar-Bewegung nach und nach. Sie sollen allerdings nur eine Hilfe sein, um das Leben der Spiritualität zu organisieren. Es bleibt dabei: Im Mittelpunkt steht das gelebte Wort Gottes.
Eine alltagstaugliche Vision
Der Zweite Weltkrieg tobt, Bomben töten Menschen und vernichten materielle Werte. In Trient in Norditalien fragen sich Chiara Lubich und ihre Freundinnen 1943, was in all dieser Zerstörung überhaupt noch Bestand hat, und entdecken beim Lesen der Bibel: Gott ist die Liebe (1 Johannes 4,8). Und diese Liebe ist unzerstörbar.
Im Bemühen der jungen Frauen, auf die Liebe Gottes zu antworten, entwickelt sich die Spiritualität der Fokolar-Bewegung, die sich der gegenseitigen Liebe, dem Neuen Gebot Jesu verpflichtet: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe (Johannes 15,12). Schnell wächst die Gruppe rund um die 23-jährige Grundschullehrerin Chiara Lubich. Die Trientner nennen die jungen Leute bald „focolare“, ein Begriff des Trientner Dialekts, der übersetzt „Herdfeuer“ bedeutet und die Atmosphäre von Wärme und Geborgenheit in der Gruppe beschreibt.
Die Liebe und die Einheit
Zwei Aspekte spielen in der Spiritualität der Fokolar-Bewegung eine zentrale Rolle: die Liebe und die Einheit.
Geliebt zu sein gehört zu den wichtigsten Bedürfnissen jedes Menschen, in der christlichen Religion hat die Liebe einen herausragenden Stellenwert, im Neuen Testament geht es um die Gegenseitigkeit dieser Liebe.
Auch das Prinzip „Einheit“ hat seinen Ursprung im Evangelium. Jesus bittet seinen Vater: „Auf dass sie alle eins seien.“ (Johannes 17,21) Bei ihrer Bibellektüre in den Bunkern Trients stießen Chiara Lubich und ihre Gefährten auf dieses Vermächtnis Jesu und waren wie elektrisiert. „Dass alle eins seien“ wird zu ihrer Mission.
Brückenbauer im Alltag
Zeit ihres Lebens hat Chiara Lubich Menschen animiert, an dieser Einheit mitzubauen, Brückenbauer zu werden. Und so tragen die Mitglieder der Fokolar-Bewegung den Geist der Geschwisterlichkeit in alle Bereiche des menschlichen Lebens. Sie schaffen Räume für Begegnung und Dialog, in denen Respekt, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung gelebt werden. Christen verschiedener Konfessionen, Gläubige anderer Religionen, aber auch Menschen ohne religiösen Bezug lassen sich davon inspirieren und werden selber zu Brückenbauern: Es entstehen Brücken in inneren Prozessen ebenso wie im Miteinander, in Beziehungen – beruflich und privat.
