Eine mystische Erfahrung von 1949 in den Dolomiten strahlt bis heute aus. Jetzt verlieh die Fokolar-Bewegung gemeinsam mit der Gemeinde von Tonadico in Erinnerung an diese Erfahrung einen Preis.

Preisverleihung an Gerhard Proß (Mitte) in Tonadico, der Stadt des Paktes. Foto: Roberto Di Pietro
Preisverleihung an Gerhard Proß (Mitte) in Tonadico. Foto: Roberto Di Pietro

von Tina Rudert

Tonadico, ein kleines norditalienisches Dorf in den Dolomiten, wurde 1949 zu einem für die Fokolar-Bewegung enorm bedeutsamen Ort. Eine mystische Erfahrung, die die Gründerin der Bewegung Chiara Lubich mit ihren ersten Gefährtinnen und dem in Italien sehr bekannten Parlamentarier und Journalisten Igino Giordani damals machte, prägt bis heute die Spiritualität der Bewegung in der ganzen Welt. Jetzt, 77 Jahre danach, verliehen die politische Gemeinde Primiero und die Fokolar-Bewegung erstmals den internationalen Preis „Tonadico – Stadt des Paktes“. Preisträger ist Gerhard Proß vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) in Esslingen (Deutschland), Mitbegründer und 20 Jahre lang Moderator der ökumenischen Bewegung „Miteinander für Europa“.

Dieser Pakt bleibt aktuell

Am 16. Juli 1949 schlossen Chiara Lubich und Igino Giordani in einem mystischen Moment während eines Gottesdienstes einen Pakt der gegenseitigen Liebe, dem sich die Gefährtinnen Lubichs später anschlossen. Dieser „historische Moment“ sei bis heute weit mehr als bloße Erinnerung, betonte Primieros Bürgermeister Daniele Depaoli jetzt bei der Preisverleihung. Dank einer Spiritualität, die „in die säkulare Welt, ins zivile und politische Leben eindringt und heute aktueller denn je ist“, bleibe dieser Pakt aktuell, wird Depaoli von Vatican News zitiert.

Die Entscheidung, den neu ins Leben gerufenen Preis zuerst an den Deutschen Gerhard Proß zu verleihen, begründete der Soziologe Bruno Turra während der Veranstaltung: Proß sei ein „Ingenieur der Beziehungen“, ein „Webmeister der Gemeinschaft“. 

Die Anfänge von „Miteinander für Europa“

Proß berichtete von den Anfängen der ökumenischen Bewegung „Miteinander für Europa“, von einer Begegnung im ökumenischen Zentrum der Fokolar-Bewegung in Ottmaring unmittelbar im Anschluss an die Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre durch Vertreter von Römisch-Katholischer Kirche und Lutherischem Weltbund in Augsburg. Dort hatten sich etwa 50 Vorsitzende verschiedener christlicher Kirchen und Bewegungen im Beisein von Chiara Lubich nach einem gemeinsamen Gebet gegenseitig um Vergebung für angetanes Leid gebeten. „Danach war es, als würde sich der Himmel öffnen und ein Meer von Gnaden auf uns herabregnen“, erinnerte sich Proß in Tonadico. Noch nie habe er einen derart tiefgreifenden Moment erlebt. Dort sei eine „echte Ökumene der Herzen“ entstanden.

Keine Grenzen zwischen Himmel und Erde

Für ihn ein ähnlich mystischer Moment wie der Pakt zwischen Chiara Lubich und Igino Giordani: „Hier in Tonadico haben sich Himmel und Erde vereint, denn die mystische Erfahrung Chiara Lubichs hat die Grenzen zwischen Himmel und Erde aufgehoben.“

Datum: 21.07.2026
Kategorie: International, Ökumene
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